Am vergangenen Wochenende wollten Modemenschen aus ganz Deutschland wie gewohnt die CPD in Düsseldorf besuchen. Doch irgendetwas war anders als sonst. Statt einer Modenschau mit den großen etablierten Labels, gab es die „Mobile Fashion“ Guerilla Modenschau der Düsseldorfer Jungdesigner zu sehen. Statt geschlossener Gesellschaft gab es für jeden zugängliche Veranstaltungen. Und statt trockener Messetermine gab es schillernde Parties.
Dank der Initiative Voices of Fashion herrschte überall reges Stimmengewirr – eine dieser Stimmen gehörte der AMD Akademie Mode & Design Düsseldorf. Die AMD präsentierte die EXIT.10-Modenschau der Absolventen unter dem diesjährigen Dachthema „coexist“ zum ersten Mal im Schauspielhaus. Und war somit Teil der kleinen Revolution.
Jedes Ende ist auch ein Anfang. In diesem Fall heißt das: Die Präsentation der Abschlusskollektionen ist für die 15 Designer mit etwas Glück der Beginn einer großen Karriere. Besonders gute Chancen haben diese drei:
coexist
„2009 stecken wir in einer globalen Krise. Doch steht nicht hinter jeder Krise auch die Chance auf Verbesserung? Ein bekanntes Sprichwort sagt: „It´s always darkest before the dawn.“ Wer progressiv denkt, weiß, dass die Ressourcen von morgen nicht Kohle oder Erdöl sind. Sondern menschliche Beziehungen und Kooperationen, nur dadurch – dafür steht auch der Kollektionstitel „Coexist“ – ist ein friedliches Miteinander in globaler Hinsicht möglich.“(Auszug aus den Inspirationstexten von Lei Zhu)
Hemden mit Schalkragen, Gehröcke in Wickeloptik, Sakkos ohne Ärmel, ein transparenter Mantel zu schmalen Hosen - Elemente klassischer Anzüge werden dekonstruiert. Das Chaos der Krise greift um sich. Aber sie werden wieder neu zusammengesetzt – gibt es doch noch Chancen auf eine bessere Zukunft, gemeinsam? Hartes Weiß, Ecru, Pastell Gelb und Grün – die hellen Farben der Herrenkollektion der diesjäjhrigen Fresenius New Talent Award Preisträgerin Lei Zhu symbolisieren den zarten Hoffnungsschimmer.
Empoisonner
„Spiel mit dem Feuer, überschreite alle Grenzen und genieße die verbotenen Früchte vom Baum der Sünde. Lass Dich von der Schlange verführen, nimm ihr Gift in Dich auf, das deinen Verstand vernebelt und dein Bewusstsein trübt, so dass dir nur noch deine Instinkte bleiben.“(Auszug aus den Inspirationstexten von Laura Norkus)
Unaufhaltsam schlängeln sich die dreidimensionalen wattierten Stoffbahnen Lage um Lage um den Oberkörper des Models. Bedrängen sie, lassen ihr gerade noch genug Luft zum Atmen. Gehüllt in schwarze Paillettenleggings und ein schwarzes Seidentop mit Zipfelsaum, balanciert sie tapfer auf schwindelerregend hohen Plateauschuhen. Die Kollektion von Laura Norkus besticht durch gedeckte Farben, ungewöhnliche Materialien und dramatische Schnitte.
out of eden
„Die Welt ist nicht schlecht, die Menschen sind es. Die Welt ist wunderschön, ein Paradies, die meisten sehen es nur nicht. Und dann sind sie noch zu dumm das zu erkennen. Fatale Mischung. Wach auf, wir leben schon lange nicht mehr im Paradies, wir haben es versaut. Gott ist tot und wir haben ihn getötet. Komm damit klar. Wir haben uns selbst ausgesperrt. out of eden.“(Auszug aus den Inspirationstexten von Katrin Gabriel)
Ziellos streunt das männliche Model über den Laufsteg. Auf seinem Kopf trägt er Äste – ähnlich der Dornenkrone von Jesus. An seinem Körper trägt er einen rot-blau gestreiften Pullover darüber einem kurzärmeligen brauen Wollmantel. Seine Hände bedecken abgetragene Stulpen. Über seiner Hose ist eine Art rauhe Wolldecke drapiert und um seinen Hals schlingt sich ein gehäkelter Schal in schwarz und grau. Ist er ein Landstreicher? Fragen sich die Zuschauer unweigerlich beim Bertachten der Herrenkollektion von Katrin Gabriel. Irgendwie ja. Denn er hat kein zu Hause. Ist rastlos. Ruhelos. Er ist auf der Suche nach sich selbst.
Das creative face Magazin wird alle drei Designer auf ihrem weiteren Weg begleiten.
(Alexandra Springer, Modejournalistin, schreibt fĂĽr Sehnsucht Ist und creative face Magazin)











