
Amour fou – Because we are people not just brides / Fotograf Martin Heck, Produktion & Styling: Kim Kutscher, Marcella Büchler, Post Production: Veit Gross, Make-up: Stefanie Schmidt, Model:Gisele Oppermann
Die Modejournalisten der AMD Akademie Mode & Design Düsseldorf haben ihren Kritikern den Kampf angesagt. Mit der Ausstellung „Zusammenstellung großer Gedanken auf kleinster Fläche – eine differenzierte Begehung“ feierten die Absolventen am Samstag ihren Abschluss und bewiesen einmal mehr, dass Mode im Ganzen betrachtet nichts mit Oberflächlichkeit zu tun hat.
Drei Jahre Mode von oben bis unten von hinten nach vorne studiert. Drei Jahre beschäftigt mit Gesellschaftsphänomenen, Modegeschichte, den richtigen Worten und unzähligen Layouts. Offensichtlich hat es sich gelohnt. Denn im Ballhaus am Nordpark wurden am Samstagabend Abschlussarbeiten präsentiert, die mit gängigen Modeklischees nichts gemein haben. Die Themen reichten von Scham über Doppelgänger, Abenteuer Sitcom, Brautmagazin bis hin zu Demokratiecamp. Und auch in diesem Jahr ist für manche die Abschlussarbeit nicht nur der Abschied von dem dreijährigen Studium sondern der Start in die Zukunft. Denn sie werden Projekte umsetzen, die mutig und einzigartig genug sind, in der Medienwelt zu bestehen.
Sebastian Kagerer und Ann-Christin Gertzen - Süper
Süper, das ist türkisch für Super – und deshalb genau der richtige Titel für das erste deutsch-türkische Gesellschaftsmagazin. Sie schreiben für deutsch-türkische Freunde, für junge Erwachsene, sagen Ann Christin Gertzen und Sebastian Kagerer. Bunt und laut wollen sie sein. Mit Vorurteilen aufräumen, Klischees aufklären – und das alles mit einem Augenzwinkern. So schaffen sie mit der Rubrik Türken-Deutsch ein lustiges Wörterbuch mit den wichtigsten Begriffen für das Zusammenleben oder lassen den patriotischen Ali und den Urdeutschen Hans in jeder Ausgabe über ein neues kontroverses Thema diskutieren. Trotzdem ist nicht alles nur Spaß bei Süper. Oft wird es nachdenklich. Denn die beiden Autoren scheuen sich nicht auch Tabu-Themen anzusprechen. Ein Dossier über schwule Türken oder die Partei der grauen Wölfe sind da nur Beispiele. Als Integrations-Beauftragte sehen sich Ann-Christin und Sebastian aber nicht. „Du hast einen Migrations-Hintergrund, dann lies mal unser Magazin? So ist das nicht gedacht. Wir wollen nicht auf diesen Integrations-Zug aufspringen“, sagen die beiden. Sie wollen nicht belehren. Vielmehr wollen sie unterhaltend zwischen zwei Welten vermitteln – multikulturell, urban, überraschend, zweisprachig. Im Februar starten sie erstmal mit ihrem Blog. Süper.
Anna Kaminsky und Lisa Trautmann – We collect the making
We collect the making – unter diesem Titel werden Anna Kaminsky und Lisa Trautmann mit ihrem Ausstellungs-Konzept für zeitgeistige Modefotografie von Stadt zu Stadt ziehen. Mit ihrem Projekt wollen die beiden jungen Künstlern Raum geben, ihre Werke abseits festgefahrener Museums-Konzeptionen zu präsentieren. Mode spielt sich in der Gesellschaft ab und genau dort sollen auch ihre Ausstellungen statt finden. Alle Künstler, Fotografen, Stylisten und Models sollen aus der jeweiligen Stadt kommen, in der die beiden gerade Halt machen. So entsteht dann nach und nach ein Netzwerk aus jungen Kreativen, die zeigen, wie die Mode heute aussieht. Was im hier und jetzt geschieht. Retrospektiven haben bei We collect the making keinen Platz. Jeden Tag auf der Suche nach dem Neuen lässt auch nicht viel Zeit, an einem Ort zu verweilen. Eine Location, ein Abend, eine Ausstellung. So sieht das Konzept aus. Wer morgen erst da ist, hat schon alles verpasst. Anna und Lisa sind dann schon über alle Berge – der Mode und dem Zeitgeist immer dicht auf den Fersen.
Kim Kutscher und Marcella Büchler – Amour fou – Because we are people not just brides
Brautmagazine sind spießig, altbacken, verstaubt – Das war einmal. Denn mit Amour fou – Because we are people not just brides – mischen Kim Kutscher und Marcella Büchler die Brautmoden-Landschaft kräftig auf. Keine langweiligen PR-Bilder, keine Brautsträuße aus rosa-roten Rosen, keine immer gleichen Tipps zu überladenen Tisch-Dekos. Amour fou ist anders. Marcella und Kim wollen jungen Frauen Lust aufs Heiraten machen. Vorlaut und frech nehmen sie kein Blatt vor den Mund. So schreiben die beiden Absolventinnen über Themen wie Sex in der Hochzeitsnacht oder Lesben-Ehen. Dazu gibt es eine fantasievolle Komposition aus Liedtexten, Sprüchen und zeitgeistigen Zitaten mit Bildwelten, die Gegensätze verbinden. Handmade und trotzdem sophisticated. Zart trifft auf sexy, dreckig verrucht. In ihren Modestrecken kombinieren sie Vintage mit High Fashion und transportieren so die Mode von der Straße direkt in den Brautmoden-Kosmos. Amour fou hat eine eindeutige Aussage: Jedes Mädchen kann eine Prinzessin sein – Und das hat nichts mit Spießigkeit zu tun.


















