"Auf der Fashion Week werden Trends geboren!"

creative face Berlin Loves Fashion: Interview mit Boris Entrup bei der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin H/W 2011

"Auf der Fashion Week werden Trends geboren!"

interview with boris entrup at mercedes-benz fashion week berlin a/w 2011 / foto: tom felber
Interview with Boris Entrup at Mercedes-Benz Fashion Week Berlin a/w 2011 / Foto: Tom Felber
Die Mercedes-Benz Fashion Week Berlin 2011 steht nicht nur im Zeichen der Mode – auch das Make-up gibt den Ton an. Während der Modewoche werden neue Trends präsentiert, alte über Bord geworfen und Mut bewiesen. Make-up Artist Boris Entrup, kreativer Kopf von Maybelline, erarbeitet mit seinem Team die Looks für die Labels – und holt dabei immer wieder das Beste aus einer Kollektion heraus. Mitten im hektischen Trubel, unmittelbar vor der Show von Kaviar Gauche, stand uns Boris Entrup Rede und Antwort. Wollen Sie wissen, was sie im kommenden Winter unbedingt im Beautycase haben sollten? Dann lesen Sie weiter!  

Die Mercedes-Benz Fashion Week Berlin neigt sich so langsam dem Ende. Wie fandest du es bisher?

Boris: Wahnsinnig toll, aufregend, spannend, super genial organisiert , und auch etwas anstrengend. Alles war auf den Punkt gebracht, jede Show ist pünktlich gestartet – das gibt es nicht überall. (lacht)  

Die Lippenfarbe bei Schumacher war grandios! Welchen Ton habt ihr hier benutzt?  

Boris: Dafür mussten wir drei Korallen-Töne aus dem kompletten Maybelline Sortiment mischen. Aus der „Color Sensational“ - Reihe wären das „Coral Fever“ und „Coral Tonic“ in Kombination mit einem anderen Ton, dessen Namen mir jetzt spontan gar nicht einfällt. Das Mischen hat insgesamt 15 Minuten gedauert, bis wir endgültig zufrieden waren. Vor allem müssen Intensität, Konsistenz und Leuchtkraft stimmen.

Das restliche Make-up war ja dann schon eher dezent …  

Boris: Genau, es war alles sehr zurückhaltend. Kaum Lidschatten und wenn, dann wird mit diesem nur ausgleichend gearbeitet, Wimpern tuschen und zartes Rouge. Und die knalligen Lippen sind der große Trend für Herbst/Winter 11/12.

Gibt es noch mehrere Trends für den kommenden Winter?  

Boris: Natürlich, es gibt nie nur einen Trend. Die knalligen Lippen sind natürlich schon absolut wegweisend. Tendenziell geht es in diese Richtung: wenig Augen Make-up und kräftiger Lippenstift. Ich bezeichne diese Signalfarben ganz gern als „Plopp up“-Lippen. Ob es jetzt nur bei Koralle bleibt, kann man so genau gar nicht sagen. Wahrscheinlich kommen noch viel kräftigere Töne hinzu – etwa Lila, Blau, Gelb und so weiter. Da wird sicherlich noch sehr viel passieren, aber die Tendenz geht zu diesen starken Farben. Vor allem auch auf den Augen, wenn die Lippen dazu dezent mit Lipgloss betont werden.

Sind diese bunten Töne für die Augen eher ein Sommer- oder Wintertrend?

Boris: Das ist komplett alles für den Winter.  

Also muss Frau mutig sein?  

Boris: (überlegt) Für das Frühjahr kommen jetzt erst einmal zarte Pastelltöne, die Wangen werden mit einem leichten Pfirsich-Blush betont und dann ist es doch sehr schön, wenn das Zurückhaltende im Winter dann dem Extravaganten weicht. Auch in der Mode spielt die Farbe eine große Rolle, wie wir ja jetzt bei Schumacher, Allude und vielen anderen Labels gesehen haben. Und dazu muss ich sagen: Gott sei Dank, denn ich liebe bunte Winter! Und das wird den Frauen auch sicherlich Spaß machen, wenn sie mal wieder zur Farbe greifen können.

Kann der klassische Nude-Look trotzdem noch getragen werden? Oder ist dieser out?  

Boris: Nude wollen wir jetzt gar nicht mehr sagen. Karamell und Sand trifft es hier schon eher, gerade wenn man sich die Mode anschaut. Das Label Allude zeigte in seiner Show viele gedeckte Farben in Kombination mit dem feinen Stoff Kaschmir, alles wirkte sehr harmonisch. Und das ist auch wiederum ein Trend für das Make-up. Aber es darf ruhig etwas mehr und auffälliger sein, als bei einem klassischen Nude-Look. Es darf schimmern und glitzern, damit im Gesicht eine gewisse Harmonie entstehen kann. Das Ganze kann auch durchaus mit einem eigenwilligen Lippenstift aufgepeppt werden. Brauner Lippenstift wirkt in Kombination mit einem leichten Lila-Touch sehr schön und modern.

Wie lange im Voraus werden diese Trends erstellt? Funktioniert das genauso wie in der Mode, dass die Trends auf einem Portal veröffentlich werden und ihr euch dort inspirieren lasst?  

Boris: Also natürlich ist es so, dass die Entwicklung einer Lippenstiftfarbe nicht von heute auf morgen geschieht. Von der Idee bis zum Verkauf dauert es schon seine Zeit. Maybelline hat einen internationalen Trendscout, der nichts anderes macht, als nach Trends zu schauen und neue Inspirationen zu finden. Mit ihr arbeite ich sehr eng zusammen, d.h. wir erarbeiten Farben, Texturen und Zeichnungen, was wirklich absolut interessant ist. Zwei, drei Jahre im Voraus weiß man ungefähr welche Töne und Texturen kommen werden. Bis alles komplett feststeht, ist es von Arbeit und Veränderung geprägt. Dieser ganze Kreislauf ist wahnsinnig spannend: Erst liegt der Fokus auf den Augen, dann wandert das Ganze wieder zu den Lippen – neue Techniken, neue Einblendungen, neue Mixturen von Farben. Es ist schön zu sehen, wie sich das immer weiter entwickelt.

Wenn du die Looks für ein Label erstellst, richtest du dich da komplett nach den Trends oder machst du auch mal was komplett anderes? Und schreiben dir die Designer auch mal einen Look vor?  

Boris: Bei insgesamt 30 Designern ist das relativ unterschiedlich. Einige haben eine Idee und diese wird dann solange weiterentwickelt, bis der komplette Look steht. Und gelegentlich wird der Look kurz vor der Show noch einmal abgewandelt. Bei Patrick Mohr ist zum Beispiel so, dass er genaue Vorstellungen hat und schon präzise weiß, was er machen möchte. Da müssen dann aber auch Maskenbildner herangezogen werden, weil das meist sehr aufwendige Sachen sind. (lacht) Mit den meisten Labels erarbeitest du aber den Look zusammen. Dafür schaue ich mir mit dem Designer erst einmal die Kollektion an, anschließend stelle ich etwas zusammen und dann wird erst einmal diskutiert. Das geht dann entweder von „Wow, genau so habe ich mir das vorgestellt“ bis hin zu „Das gefällt mir gar nicht“ – da ist alles dabei an. Generell ist es aber so, dass wir vor jeder Saison Lookproben für die Fashion Week gestalten und mit diesen dann arbeiten.

Wie lange dauert die Entwicklung eines Looks?  

Boris: Die Spanne reicht von 20 Minuten bis zu fünf Stunden.

Und dann steht der Look?  

Boris: Das ist nicht gesagt. (lacht) Er steht soweit, bis die Designer hier auf die Mercedes-Benz Fashion Week Berlin kommen. Natürlich stehe ich mit ihnen regelmäßig in Kontakt und weiß meist schon vorher, ob noch etwas geändert werden muss oder ob eine Idee noch einmal auf den Kopf gestellt wird. Aber auch das ist bei jedem Designer unterschiedlich. Gerade wenn man so lange an einer Kollektion arbeitet, Veränderungen vornimmt und Details hinzufügt, dann steckst du so im Thema drin und es können schon die kleinsten Nuancen beim Make-up etwas ausmachen. Und genau das ist das Spannende an der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin: Hier werden Trends geboren!

Wie würdest du das Zusammenspiel von Mode und Beauty beschreiben? Denkst du, dass eine Kollektion nur mit dem richtigen Make-up wirkt?  

Boris: Mit einem Make-up kannst du ein Statement setzen, wie z.B. bei Schumacher mit den knalligen Lippen. Wenn in der Kollektion viele Signalfarben vorkommen, kannst du mit einem reduzierten Make-up arbeiten, damit die Farbe für sich steht. Make-up ohne Fashion und Fashion ohne Make-up -das geht gar nicht. Das gehört einfach zusammen. Das Eine ist vom anderen abhängig und beeinflusst, gerade was die Farben anbetrifft.

Abschließend noch die Frage aller Fragen: Welches Beauty- Item sollte jede Frau im Beautycase haben?  

Boris: Mascara, Blush, Lipgloss und auf jeden Fall Concealer. Mit diesen vier Dingen kannst du viel erarbeiten. Mein Tipp: Der Lippenstift kann auch als Lidschatten verwendet werden! Das wirkt sehr natürlich und harmonisch.

(Jana Burghause für creative face Magazin)
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Interview with Boris Entrup by Jana Burghause at Mercedes-Benz Fashion Week Berlin a/w 2011 / Foto: Tom Felber Interview with Boris Entrup by Jana Burghause at Mercedes-Benz Fashion Week Berlin a/w 2011 / Foto: Tom Felber
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