
Adel Abidin 'Tasty', video installation, including two videos and cardboard, 2008 / courtesy Dagmar Schmidla Galerie, Köln
Die Dagmar Schmidla Galerie, Köln zeigt bis Ende Januar 2009 in der Ausstellung becoming a part of it die Künstler Adel Abidin, Andreas Herzau und Hüseyin Karakaya.
Adel Abidin geht es in seinen Video-Arbeiten um kulturelle Entfremdung und deren Randbereiche. In seiner Formensprache bleibt Abidin sarkastisch, humorvoll und ironisch.
Was ist die wirkliche Beziehung zwischen innen und außen? Wer ist innen und wer ist außen? Das war die Formel, die dazu führte darüber nachzudenken, sich mit diesem Thema des Projektes auseinander zusetzen. In den meisten seiner Arbeiten, geht es um Symbolik und wie wirkt sie sich auf unser tägliches Leben aus. Abidin baute einfach eine Moschee aus Würfelzucker und setzte sie neben einen Ameisenhaufen. Natürlich wurden die Ameisen von der Moschee angezogen und begannen rund um die Moschee zu wandern, bekletterten sie und brachen ein. Nun kann man mutmaßen, ob sich die Ameisen der Moschee aus rituellen Gründen näherten oder ob sie diese bauen oder eher zerstören wollen.
Herzaus Werke setzen den Menschen in den Mittelpunkt. Dabei sind seine Bilder eine Übersetzung hin zum Abstrakten, eine Art gebrochener Reportagefotografie, die nicht nur mitteilen - zeigen - will, sondern zum genauen Hinsehen auffordert.
Sein Plan ist es, keinen Plan zu haben, nicht an einer Story, ein Plot zu kleben. Es geht um die Entdeckung von Bildern und Geschichten, ohne nach ihnen zu suchen, sich die Freiheit zu nehmen die kleinen Dinge zu entdecken, die stark genug sind, das umfassende Bild zu offenbaren. Es ist sein Ziel, die flüchtigen Dinge und Eindrücke festzuhalten, die so viel über die Stimmung in einem Land sagen können und wo Sprache scheitert, eine Stimme zu finden. Seine Fotografien überprüfen die Realität gleichsam mit dem Erkundungsblick eines Ethnografen.
Seine Bildsprache formuliert dabei aus dem ständigen Wechsel von Nähe und Ferne, von Detail und Totale sowohl distanziert als auch neugierig.
Hüseyin Karakaya beschäftigt sich in seinen Installationen und konzeptionellen Arbeiten mit Lebenswelten die Einwanderer, vorfinden und entwickeln, und die daraus entstehenden sozioökonomischen Bedingungen und Konflikten. Oft erarbeitet er Projekte, die eine anthropologische Komponente des Lesens eines stadträumlichen Organismus gleichen.
Karakaya hat seine eigene emotionale Sicht auf die Stadt Istanbul: "Das erste, was ich spüre, wenn ich aus dem Flugzeug steige, ist ein bleierner Geschmack auf meiner Zunge, der vom Ortswechsel herrührt. Nachdem ich kurz mit dem Taxifahrer gehandelt habe, bewegen wir uns mit dem Auto in der zunehmend chaotischen Atmosphäre auf das Ende der Nacht zu. Zusammen mit diesem meisterhaften Taxifahrer nähern wir uns in rasender Schnelligkeit den Gegensätzen Istanbuls. Hier existiert alles gleichzeitig. Dieser meisterhafte Taxifahrer kann dich die Kunst des Lebens in Istanbul lehren oder, wie bereits einige Male geschehen, deinen Hals durchschneiden. Während des Opferfestes wird der Boden Istanbuls von dem Blut der Opfertiere gewaschen, die im Gedenken an den Propheten Ibrahim, der seinen Sohn opfern wollte, geschlachtet werden. Wenn man nachts mit einem Taxi fährt und in der Hand des Taxifahrers einen Schraubenzieher oder ein scharfes Messer blitzen sieht, sollte man nicht gleich nervös werden. Istanbul gibt und nimmt (alışveriş=Kauf und Verkauf). Dies hier ist in jeglicher Hinsicht ein idealer Ort für einen Austausch. Ich spüre die nicht zu bremsende Wut in meinen Zellen, die den einzigen Weg für ein Überleben in Istanbul darstellt. Gleichzeitig kommt dies einem Aufbegehren gegen das Leben gleich, was mich vor der Angst der Deutschen vor dem Tod bewahrt. Aus diesem Grund reise ich seit Jahren immer wieder hierher. In Istanbul habe ich sowohl Freunde als auch das mir vorher unbekannte Gefühl gefunden, zu einem Ort zu gehören. Es ist das, was man mit dem türkischen Begriff 'Schwermut' bezeichnet!"















