Tom Felber für ceative face Magazin
Ausstellungen Iranischer Künstler findet man nicht häufig in Deutschland. In der Ausstellung THR-FRA/FRA-THR sind zur Zeit in Frankfurt (Main) Kunstwerke von gleich drei Iranischen Künstlern (Iman Afsarian, Vahid Hakim und Elahe Heidari) gemeinsam dem in Berlin lebenden und arbeitenden Künstler Michael Hakimi sowie dem in Frankfurt lebenden und arbeitenden Künstler Jörg Ahrnt, der die Ausstellung auch kuratiert hat, zu sehen. THR-FRA/FRA-THR findet gleichzeitig an 2 Orten statt. In der „Galerie station" im Künstlerhaus Mousonturm können Besucher Ölgemälde von Iman Afsarian, Acrylgemälde von Vahid Hakim sowie Tuschezeichnungen von Elahe Heidari und Jörg Ahrnt sehen. In der Galerie wildwechsel werden Werke von Michael Hakimi gezeigt. Für creative face Magazin sprach Tom Felber mit dem Kurator der Ausstellung Jörg Ahrnt.
creative face Magazin: Die Ausstellung THR-FRA/FRA-THR zeigt Werke von drei im Iran und zwei in Deutschland lebenden Künstlern. Ist das der Grund für den Titel?
Jörg Ahrnt: Über Jahrhunderte schirmten das Zagros- und das Elburz-Gebirge Persien gegenüber Reisenden aus Europa ab. Heute fliegen jeden Tag Flugzeuge mit Hunderten von Passagieren und Waren von Frankfurt nach Teheran und von Teheran nach Frankfurt. In Deutschland, und darüber hinaus, hat der Frankfurter Flughafen die Funktion einer Drehscheibe. Der Ausstellungstitel hat daher nicht nur für Iraner aus Teheran und Deutsche aus Frankfurt eine konkrete und zugleich bildliche Bedeutung. Die Städtekürzel für die Flugrouten zeigen die technisierte Realität auf, die beide Länder rasend schnell verändert. Doch trotzdem gibt es beide „Blickrichtungen", je nachdem in welchem Land man sich befindet.
creative face Magazin: Warum findet die Ausstellung in Frankfurt an zwei Orten, der „Galerie station" im Künstlerhaus Mousonturm und der Galerie wildwechsel, statt?
Jörg Ahrnt: Die Werke von Elahe Heidari, Iman Afsarian und Vahid Hakim reflektieren den Einfluss europäischer, bzw. westlicher Kultur auf ihr eigenes Werk. Dies führt zu sichtbaren Bezügen auf die westliche Kunstgeschichte. Diese Bezüge sind aber viel komplexer, als wir uns dessen bisher bewusst sind; denn bisher werden diese deutlich sichtbaren Bezüge so gedeutet, als seien sie das Resultat eines Kopierens westlicher Originale. Inwieweit mit dem Transfer eines westlichen Kunstkanons eine vielschichtige Verwandlung einhergeht, lässt sich am besten an den Werken selbst beobachten. Diese Arbeiten befinden sich in der „Galerie Station" im Künstlerhaus Mousonturm, ebenso meine Arbeiten, die sich seit 2005 auf eine farbige Zeichnung beziehen, die vermutlich aus dem 14. Jahrhundert stammt, und den Namen „Flusslandschaft" erhielt. Diese gibt seit Jahrzehnten nicht nur Orientalisten Rätsel auf, da sie in der Mitte zwischen persischer und chinesischer Kunst zu stehen scheint. Beide „Blickrichtungen" sind in der Galerie vertreten.
Die Arbeit „Museum für Islamische Kunst, Raum 1-5" von Michael Hakimi überführt Infoschilder mit Landkarten, die den Museumsbesuchern in Berlin die geografische Herkunft der Ausstellungsobjekte illustrieren soll, in fünf Wandobjekte, die nunmehr selbst Ausstellungswerke werden. Wie Kunstwerke einem geografischen Gebiet zugeordnet werden, wird dabei hinterfragt. Diese Arbeit wirkt pointierter, wenn man sich den bisherigen Ausstellungskontext im Museum vorzustellen vermag. Eine alleinige Präsentation war daher wichtig. Indem letztlich die fünf Wandobjekte noch umgedreht präsentiert werden, rückt die Logik der scheinbar objektiven Zuordnung in weite Ferne.
creative face Magazin: Was verbindet die fünf Künstler miteinander?
Jörg Ahrnt: Es werden nicht ideologische Symbole vordergründig angetippt, wie z.B. der Tschador oder die Fatimahand, sondern es werden die komplexen, kulturellen Wechselbeziehungen individuell und künstlerisch verarbeitet.
creative face Magazin: Was ist die Kernaussage der Ausstellung? Ist sie politisch bzw. gesellschaftskritisch?
Jörg Ahrnt: Eine Kernaussage gibt es nicht. Das Verlangen nach Kernaussagen und der Anspruch auf den eigentlichen Kern haben doch gerade eskalierende Konflikte hervorgerufen. Da die Werke in der Ausstellung aber deutliche Differenzen zu bestehenden kulturellen Stereotypen aufweisen, haben die Werke ein kritisches und politisches Potential. Sie fungieren aber nicht als „Politische Kunst".
creative face Magazin: Wie frei ist Kunst im Iran? Können iranische Künstler problemlos im Ausland ausstellen? Wie schwierig war es, die Ausstellung zusammen zu stellen?
Jörg Ahrnt: Wer sich auf die Werke der Ausstellung einlässt, wird einige Antworten auf diese Fragen finden können. Die Ausstellung zusammenzustellen war insofern nicht schwierig, als sie keinen allgemeinen Anspruch auf die Präsentation einer „Generation", einer einheitlichen künstlerischen Bewegung oder gar einer „Iranischen Kunst" erhebt, daher hoffe ich zukünftig in Deutschland weitere Ausstellungen mit iranischen Künstlern sehen zu können. Der Wunsch, eine Ausstellung zu kuratieren, kam mir, als ich Arbeiten im Iran gesehen habe, die ich unbedingt auch in Deutschland sehen wollte, denn in den Arbeiten ist bereits eine zweifache kulturelle Perspektive angelegt.
creative face Magazin: Der Titel legt die Frage nahe, ob die Ausstellung auch im Iran gezeigt werden wird. Ist dies geplant?
Jörg Ahrnt: Ein wichtiger Ansatz der Ausstellung ist es, den stattfindenden Transfer der Kunstwerke zu beobachten und Einsichten in den Bedeutungswandel, der mit diesem einhergeht, zu erhalten. Daher wäre es schlüssig, das Projekt auch in Iran zu realisieren. Ob dies möglich sein wird, ist derzeit unklar. Über längere Zeit hin war selbst die Realisierung dieser Ausstellung gefährdet.
creative face Magazin: Vielen Dank Jörg.




















